Wofür

Klarhinterfragt

steht

Klarhinterfragt ist aus einer einfachen Überzeugung entstanden: Kinder brauchen nicht noch mehr schnelle Urteile, sondern Erwachsene, die bereit sind, genauer hinzusehen. 

Auch auf die eigene Wahrnehmung.

Alles, was ich hier schreibe, stammt nicht aus einem sterilen Elfenbeinturm, in dem immer die Sonne scheint und der pädagogische Tee niemals kalt wird. Ich musste das meiste davon selbst auf die harte Tour lernen.

Ich weiß, wie unfassbar anstrengend dieser Alltag sein kann. Ich kenne die Tage, an denen der Akku schon morgens um halb acht im roten Bereich blinkt, an denen die Nerven wie rohe Drähte daliegen und an denen man trotz aller Fachliteratur, aller guten Vorsätze und aller wertvollen Tipps einfach die Fassung verliert.

Und genau das dürfen wir uns an dieser Stelle in aller Deutlichkeit sagen: Das macht uns nicht zu schlechten Menschen. Nicht zu unfähigen Eltern und nicht zu schlechten Fachkräften. Es macht uns schlicht zu Menschen.

Das Problem ist nicht, dass wir erst mühsam lernen müssen, wie wir Kinder wirklich passend unterstützen. Ein Kind auf die Welt zu bringen ist schließlich an deutlich weniger bürokratische Auflagen geknüpft, als einen Hund aus dem Tierheim zu adoptieren: Niemand verlangt von uns vorab einen Sachkundenachweis, eine Eignungsprüfung oder den Nachweis eines lückenlosen Nervenkostüms. Wir stolpern da alle unfertig hinein.

Problematisch wird es erst an einer ganz anderen Stelle: wenn wir uns weigern, unsere eigene Haltung zu hinterfragen. Wenn wir unsere persönliche Wahrnehmung für die einzig gültige Wahrheit erklären. Wenn wir die Deutungshoheit darüber beanspruchen, was ein Kind gefälligst zu fühlen oder zu leisten hat – nur weil wir die Erwachsenen sind oder weil auf unserer Visitenkarte das Wort „Fachkraft“ steht.

Weder ein Diplom noch die Rolle als Elternteil schützt uns davor, Situationen komplett falsch einzuschätzen.

Oft braucht es am Ende gar keine perfekten Methoden, keine lückenlosen Förderpläne und erst recht keine verbissene Disziplin. Es braucht schlicht etwas mehr Menschlichkeit, eine Prise Humor und deutlich weniger sture Systemanforderungen. Nicht, um aus einem „herausfordernden Kind“ ein funktionierendes Rädchen im Getriebe zu machen – sondern um ihm einen Raum zu geben, in dem es sich gesehen fühlt, ankommen darf und wieder durchatmen kann.

Und uns selbst gleich mit.

 

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